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BONNER GENERALANZEIGER 04.11.99
Wüsten-Trekking in Libyen - In der Sahara hat das Nichts fünf Sterne
von Gert auf der Heide
Die Erdgeschichte meint es nicht besonders gut mit Libyen. Zu 94 Prozent besteht der nordafrikanische Staat aus Wüste. Felsen, Geröll, Lehm, Sand, Staub - alle erdenklichen Resultate der Erosion. Für die meisten ist das langweilig. Andere berauschen sich an der majestätischen Weite dieses Fünf-Sterne-Nichts.
Vorsichtig klettern wir in den Felsen oberhalb des Wadi Matandus. Steinschlag könnte jahrtausendealtes Kulturgut vernichten. Hier wurde ein Elefant ins Gestein graviert, da eine Giraffe und dort hinten ein Rind. Unglaublich filigran haben die Menschen vor 8.000 bis 10.000 Jahren ihre Zeitgenossen dargestellt. Brehms Tierleben in Stein gemeißelt. Aber irgendwie wirkt das alles auch deplaziert, als sei den eiszeitlichen Künstlern die Phantasie durchgegangen. Wir selbst haben in dieser lebensfeindlichen Gegend bislang nur Dromedare, Schlangen, Skopione und manchmal einen Raben gesehen. Verglichen mit heute war Libyen damals tatsächlich ein Garten Eden. Süditalienisches Klima vielleicht, während bei uns gerade die Gletscher zurückgingen. Der mitteleuropäische Wüsten-Novize mag da durchaus ins Grübeln geraten: Wie wird es in 10.000 Jahren in Deutschland aussehen? Zeit zum Nachdenken gibt's ohnehin genug, denn Muße bietet die Wüste als vielleicht einziges Gut im Überfluß. Zumeist kreisen die Gedanken jedoch um eine Mangelware - Wasser. Nicht etwa, daß zu wenig in den Jeeps mitgeführt würde. Aber spätestens am frühen Nachmittag, wenn bei 45 Grad schon niemand mehr aufs Thermometer schauen will, ist die Brühe ungenießbar. Dafür genießen diejenigen mit den besten Thermoskannen plötzlich erhöhte Aufmerksamkeit. Alle warten auf die Frage: "Willst du 'nen Schluck?" Und meistens kommt das Angebot tatsächlich. Die Wüste macht selbst die heterogensten Reisegruppen solidarisch. Gemeinsam ein Abenteuer zu erleben, das schweißt zusammen.
Abenteuer? Allenfalls in der Light-Version. Zehn Begleiter für elf Touristen überlassen so wenig wie möglich dem Zufall. Da gibt es fünf Fahrer, einen Koch, einen Mitarbeiter des staatlichen Tourismus-ministeriums, einen Repräsentanten der libyschen Reiseagentur, einen Sahara-Führer und natürlich einen Reiseleiter. Nur gegen Reifenpannen ist auch dieses Bataillon machtlos. Daß niemand ins kalte Wasser, vielmehr den heißen Sand geworfen wird, dafür sorgt allein schon die politische Lage. Nach der Lockerbie-Krise 1988 wurde über Libyen ein UN-Embargo verhängt, so daß der internationale Flugverkehr einen Bogen um das Land macht. Also landen wir im tunesischen Djerba und nähern uns im klimatisierten Bus Schritt für Schritt der Einsamkeit. Von Norden kommend, geht's über Nalud nach Ghadamis, dessen Altstadt als Weltkulturerbe unter UNESCO-Schutz steht. Obwohl längst im Wüstengebiet, erlaubt die gut ausgebaute Straße eine große Tagesetappe von 600 Kilometern. Am nächsten Morgen stehen die Jeeps bereit. Vier knackige Off-Roader und ein gemütlicher Pritschenwagen, natürlich auch mit Allrad. Der führt das Wasser mit, das Benzin, die Vorräte - und ein Schaf. Niedlich, denken einige und taufen es Lotte. Der nächste Gedanke ist weniger niedlich. Die werden doch nicht ...?
Doch, sie werden. Der Speiseplan für die ersten Tage ist damit in groben Zügen vorgegeben. Zunächst gibt es Lotte pur, dann Lotte in Suppe und schließlich Lotte auf Kuskus. Geschlachtet und zubereitet von Ibrahim, der ansonsten, wenn er nicht gerade durch die Wüste fährt, im Mehari kocht, einem der guten Hotels von Tripolis. Der Mann versteht sein Handwerk. Leider kann Ibrahim nichts an der Temperatur des Wassers ändern. Erfrischend ist es nur früh morgens, wenn die Nacht es auf vielleicht 15 Grad abgekühlt hat. Danach muß man sich selbst zu helfen wissen wissen. Aber was ein rechter Wüstenfuchs ist, der hat Brausetabletten eingepackt. Bis etwa 25 Grad schmeckt das Wasser damit halbwegs erträglich. Und treibt der Tag dem Siedepunkt zu, füllt er die Thermoskanne zu einem Drittel mit Tee. Als Belohnung für soviel Kreativität und Leidensfähigkeit verteilt Ibrahim abends an jeden eine Dose Pepsi-Cola. Natürlich ist die auch warm, aber eingepackt in einen nassen Waschlappen sinkt die Temperatur fix um bestimmt zehn Grad. Alter Indianertrick. Die Geduldigen unter uns warten sogar bis zum nächsten Morgen, um ihren Soft-Drink immer weiter mit Wasser zu verdünnen - bis die Cola nur noch in homöopathischen Dosen vorhanden ist. Nach drei Tagen sind die Vorräte aufgebraucht. Zielsicher findet unser Führer Ali Mussa den Weg aus der Wüste. Gut 600 Kilometer über Lehm, Schotter, Geröll und Sand liegen hinter uns. Gesäß-, Rücken- und Nackenmuskulatur jubilieren über das kleine Stück Asphaltstraße nach Uvenat, fast im Dreiländereck Algerien-Libyen-Niger. Dort wird eingekauft, auch für den Privatgebrauch. Göttlich schmeckt die eiskalte Dose Erdbeerlimo, die zu
Hause wohl niemand leergetrunken hätte. Hier aber schreit die Kehle nach Zugabe, und auch die zweite Dose geht "auf ex" weg. Zusammen mit zwei Schachteln Marlboro kostet das fünf libysche Dinar, nach offiziellem Wechselkurs 15 Dollar. Eine willkürliche Festsetzung, denn die einheimische Währung wird international nicht gehandelt. Der Ladenbesitzer freut sich jedoch über fünf Dollar in US-Währung und gibt noch einen Dinar als Wechselgeld zurück. So geht das überall im Land. Ansonsten hat Uvenat nicht viel zu bieten. Eine trostlose, aber typische Siedlung mit Fertigbauten, wo die Mülltrennung darin besteht, den Unrat links und rechts der Straße zu verteilen. Das unattraktive Gesicht des Gadhafi-Sozialismus, auch ersichtlich an den zahlreichen Planungsruinen, die wohl seit dem Ölpreisverfall nicht mehr weitergebaut worden sind. Dabei hat Libyen noch immer das höchste Pro-Kopf-Einkommen Afrikas. Der sogenannten Zivilisation weint folglich niemand nach, als es wieder in die Wüste geht. Zumal die nächste Nacht ein besonderes Schauspiel bietet - Vollmond. Irgendwo auf dem Weg zum Wadi Matandus halten die Jeeps plötzlich an. Ein guter Platz zum Lagern: Topfeben, nur in der Ferne ein paar Sträucher, aber windstill. Jeder schnappt sich eine Decke, eine dünne Schaumstoff-matratze, seinen Seesack und trottet ins Nichts. Hatten sich zu Beginn der Reise noch Grüppchen gebildet, um den vermeintlichen Gefahren der Wüste mit einer gewissen Wagenburgmentalität zu trotzen, so will jetzt jeder allein die schönsten Stunden des Tages genießen. Der Nachbar darf in Sichtweite sein. Näher nicht. Decke ausbreiten, Matratze drauf, Schlafsack ausrollen, hinlegen, aufs Essen warten, genießen. Wie im Zeitraffer geht die Sonne unter, bald sind die Sterne zu sehen. Gegen Mitternacht scheint der Mond so hell, daß man ohne Taschenlampe lesen könnte. Besser ist: Einfach auf dem Rücken liegen und in den Himmel starren. Die Illusion des Alleinseins zerstört am nächsten Morgen ein dröhnendes Geräusch. Vielleicht 100 Meter entfernt rasiert sich jemand mit einem Akku-Apparat, aber es hört sich an, als donnere eine LKW-Armada vorbei. Zumindest weiß nun jeder, wie still es vorher war. Die restliche Strecke zum Wadi Matandus führt durch extrem unwegsames Gelände. Teilweise schaffen die Jeeps auf dem steinigen Pfad nur 15 Stundenkilometer. Dann wieder geht's mit 80 Sachen über eine harte und fast glatte Lehmpiste. Die Wüste ist vielfältiger als vermutet. Mal sieht's aus wie auf dem Mond, mal wie in der Lüneburger Heide. Aber wie in der Wüste sieht's selten aus. Nur etwa zehn Prozent nehmen jene Sanddünen ein, die der unbedarfte Europäer in der gesamten Sahara vermutet. Allen Landstrichen gemein ist die Trockenheit. Als richtige Wüste gilt nur, wo jährlich weniger als 100 Millimeter Niederschlag fallen. Manchmal regnet es hier zehn Jahre lang nicht. Wenn dann aber ein Wolkenbruch das Land überfällt, kann der Boden die Wassermassen kaum aufnehmen. In den flußbettartigen Vertiefungen (Wadis) bilden sich reißende Ströme, die alles wegschwemmen. Wer dort sein Lager aufgeschlagen hat, ist verloren. Es heißt sogar, daß in der Sahara mehr Leute ertrinken als verdursten. Seltsame Vorstellung.
Wir hingegen kommen heil aus der Wüste raus und lernen auf dem Rückweg nach Djerba die restlichen sechs Prozent Libyens kennen. Über Sebha, wo wegen eines Gadhafi-Besuchs alles geschmückt, gesperrt und im Ausnahmezustand ist, führt der Weg an die Küste nach Leptis Magna. Dort ist das Land fruchtbar, und Traumstände würden zum Badeurlaub animieren, wenn es nicht den Müll und dafür ein wenig touristische Infrastruktur gäbe. Aber für wen sollten die Libyer auch Hotels bauen? Nur rund 10.000 Touristenvisa stellen sie pro Jahr aus, und die Hälfte davon wird von Geschäftsleuten beantragt. Noch immer ist eine Libyen-Reise auch ein klein wenig Expedition. Dabei könnten Strand und Kultur zu einem nennenswerten wirtschaftlichen Faktor werden für ein Land, das zu mehr als 90 Prozent vom Öl lebt. Wohl nirgends sind römische Ruinen so gut erhalten. Fast verbietet sich der Begriff Ruine. Nach einer Stunde zwischen Theatern, Bädern, Palästen und Basiliken regt sich jedoch die Sehnsucht nach der Sahara. Das feuchte Küstenklima läßt die Kleider am Körper kleben. Trotz 45 Grad war's in der Wüste angenehmer. Und schöner.
Anbieter: Trekking Tours Hoffmann (TRH), Grete-Nevermann-Weg 16, 22559 Hamburg, Tel: 040/819 62 129 (Internet: http://www.trh-reisen.de);
Anreise: Bürger nicht-arabischer Staaten benötigen ein Visum, das beim libyschen Volksbüro in Bonn zu beantragen ist: Beethovenallee 12 A, 53173 Bonn, Tel. (0228) 82 00 90. Da Libyen wegen des UN-Embargos nicht angeflogen wird, muß die Einreise aus den Nachbarstaaten erfolgen. Ein günstiger Zielflughafen ist das tunesische Djerba. Individualreisen sind möglich, aber unter Umständen kompliziert. Ein erfahrener Veranstalter kann viele Türen öffnen und organisiert auch die Anreise
Unterkunft: Eine touristische Infrastruktur fehlt fast völlig. Die Hotels entsprechen zumeist nicht dem europäischen Standard. Wo immer es möglich und erlaubt ist, sollte man daher unter freiem Himmel schlafen
Geld: Für 6 DM gibt es derzeit nach offiziellem Umtauschkurs einen libyschen Dinar. Da diese Binnenwährung stark überbewertet wird, ist alles - von Postkarten bis Zigaretten - sehr teuer. Kreditkarten werden nur selten akzeptiert
Reisezeit: Die eigentliche Saison beginnt im Oktober mit heißen Tagen und angenehmen Nächten. Im Winter können nachts Minus-temperaturen herrschen
Tip: Kaugummis und Pfefferminzbonbons verhindern einen trockenen Mund. Mineral- und Multivitamintabletten machen das Wasser schmackhafter und ersetzen die entsprechenden Verluste bei körperlicher Anstrengung. Für Raucher: Bei Hitze schmecken Mentholzigaretten
SCHWÄBISCHE ZEITUNG 5.11.98:
Staubiger Wüstentrip zum Louvre der Sahara
von SIMONE HAEFELE
Tripolis - Nach Libyen? Freunde schütteln verständislos den Kopf. Worte wie Gaddhafi, Terrorismus, Petro-Dollars und Giftgasfabriken machen die Runde. Viel mehr weiß kaum einer über diesen nord-afrikanischen Staat. Und von Tourismus in Libyen hat man sowieso noch nie etwas gehört. Hotels mit europäischem Standard gibt es, wenn überhaupt nur am schmalen Küstenstreifen, und 90 Prozent dieses großen Landes bestehen aus Wüste. Wie kann man dort nur seinen Urlaub verbringen? Eben drum: Um Wüste pur zu erleben, um Pfade zu gehen, über die zuvor nicht schon Hunderttausende von Touristen getrampelt sind. Aber auch um bestens erhaltene, antike Stätten wie in Leptis Magna und Sabrata zu besuchen. Und um steinzeitliche Felsmalereien- und gravuren zu bewundern. Ibrahim, unser Jeep-Fahrer, zuckt mit den Achseln: Im sorry, entschuldigt er sich zum wiederholten Male. Schlagloch Nummer Ich-weiß-nicht-wieviel hat wieder einmal einen Angriff auf unsere Bandscheiben gestartet. Wir nehmens gelassen, wohlwissend daß ein Trip durch die Wüste nicht im wohlklimatisierten und weich-gefederten Reisebus stattfinden kann, sondern mit Komfortverzicht, durchgeschwitzten Klamotten und ungewollter Schüttel-Rüttel-Massage verbunden ist. Wer sich auf das Abenteuer Wüste einläßt, muß bereit sein, kühle Drinks, tägliches Duschen und weiche Betten aus seinen Urlaubsvorstellungen zu streichen. Er wird dafür gebührend entschädigt mit grandiosen Landschaften, faszinierenden Lichtspielen und tiefem Seelenfrieden. Das gilt vor allem für die Wüstenlandschaft im libyschen Fezzan. Der viertgrößte Staat Afrikas bietet im Südwesten eine Bilderbuch-Sahara, wie sie sich der Europäer gemeinhin vorstellt: traumhafte Dünenlandschaften, die je nach Tageszeit rosa, apricotfarben oder braunrot schimmern, endlos erscheinende Geröllwüsten, schwarzes Gestein auf leuchtend gelbem Sand, schroffe Felsformationen, aber auch saftig grüne Oasen, tiefblauer, wolkenloser Himmel und nächtliches, verschwenderisches Sternengefunkel. Blue and yellow is green, drucken die Libyer gerne auf T-Shirts und Schlagmützen, um damit für ihr Land zu werben. Doch treffender formuliert es unser Tuareg-Führer Ali Moussa Hamadi. Noch lange klingen seine Worte nach: Die Stadt ist komfortabler für den Körper, die Wüste aber ist komfortabler für den Geist. Nach zwei Tagen verwandelt sich Ibrahims Schüchternheit in Neugier. Zu gerne würde er mehr über die vier Deutschen erfahren, die täglich oft über zehn Stunden in seinem Landrover sitzen. Schließlich ist es das erste Mal, daß er Kontakt zu Europäern hat. Nur rund 5000 Touristen besuchen jährlich Gaddhafis-Wüstenstaat. Entsprechend bestaunt werden die Bleichgesichter und Blondschöpfe aus Europa. Und entsprechend höflich und freundlich werden sie in diesem Land behandelt; an den Zoll- und Polizeistationen, in Museen und Cafés, von unseren Wüstenbegleitern sowieso. Wir fühlen uns als gern gesehene Gäste, vor allem in Ibrahims Landrover, sein ganzer Stolz übrigens. Vor jeder größeren Bodenwelle warnt er uns, seine arabischen Zigaretten erklärt er bald zum Allgemeingut, und nach drei Tagen Durst, der ausschließlich mit warmem Wasser in den Geschmacksnoten salzig, kalkig oder benzinmäßig gestillt wurde, munden seine eisgekühlten Erdbeerdrinks, der er schnell am Straßenrand einer Oase für uns ergattert hat, wie köstlichster Champagner.
Wir dringen immer weiter in die Wüste ein. Stundenlange Fahrten über Geröllpisten, kleine Gebirgszüge säumen den Weg, Wadis gönnen dem Auge wenigstens ein bißchen grün. Das Thermometer klettert über die 40 Grad-Grenze. Selbst die beste Thermoskanne kann das Wasser nicht mehr kühl halten, Mineraltabletten machen die Runde, das monotone Motorengeräusch des Jeeps will einschläfern. Doch die Augen können sich nicht sattsehen an Libyen: rote Ebenen, gelbe Sandfelder, Tafelberge, ausgetrockenete Salzseen und endlich, im Erg Ubari, eine sanfte, scheinbar nie enden wollende Dünenlandschaft. Ibrahim steht der Schweiß auf der Stirn und er schluckt vorsichtshalber zwei Kopfschmerztabletten. Der Mann, der an der Küste wohnt, gesteht uns, daß auch er das erste Mal in der libyschen Wüste unterwegs ist. Und warum er das Wort Ramla, welches Sand bedeutet, so ehrfürchtig ausspricht, wird uns spätestens klar, als er versucht, mit seinem Jeep die erste Düne zu erobern. Schon auf halber Höhe bleiben wir im tiefen Sand stecken. Da helfen sämtliche Stoßgebete zu Allah nichts: Wir müssen raus und schieben. Zum ersten - aber bei Allah - nicht zum letzten Mal. An diesem Tag in den Dünen des Erg Ubari bietet sich mehrmals die Gelegenheit, uns mit Muskelkraft bei Ibrahim für seine vielen kleinen Aufmerksamkeiten der vergangenen Tage zu bedanken. Aufmunternde Blicke und kräftiger Applaus nach der glücklichen Überwindung einer Düne bauen die Moral unseres Fahrers auf. Seine Augen, die bislang eher zweifelnd und scheu aus dem türkisfarbenen Chech lugten, verraten jetzt Selbstsicherheit. Und mit einem mutigen Forza, nimmt er die nächste Düne in Angriff mit Erfolg. Wer tagsüber die hohen Sandwälle verflucht hat, wird abends für alle Mühen gebührend entlohnt. Die untergehende Sonne wirft ein zartes Rot auf die Dünen, Licht und Schatten verleihen dieser Landschaft einen sagenhaften Zauber. Wir rollen die Schlafsäcke im weichen Sand aus, unsere Augen wandern von den mal sanften, mal abbruchkanten-artigen Umrissen der Dünen hinauf in den prall gefüllten Sternenhimmel... Ibrahim zückt seinen Fotoapparat. Klick, Klick, Klick. Wie wir ist er begeistert von den Felsgravuren im Wadi Mathendous im Süden der libyschen Wüste. Die bis zu 10 000 Jahre alten Gravuren erinnern an eine Zeit, als die Sahara grün und fruchtbar war. Ihre damaligen Bewohner haben ihre Umwelt für die Nachwelt im Fels festgehalten. Das hier ist der Louvre der Sahara, meint Reiseleiter Rudi Hoffmann. Und tatsächlich liegt vor uns eine Bildergalerie, die mehrere hundert Meter lang ist und detailgetreue Gravuren von Elefanten, Varanen, Giraffen, Nashörnern, sogar Nilpferden zeigt. Nicht nur großartige Landschafträume lehren den Europäer Ehrfurcht vor der Wüste, sondern auch diese Zeugnisse einer Sahara-Kultur aus längst vergangenen Zeiten. Ibrahim hat sich zu uns gesellt und bestaunt mit uns einmal mehr einen Sonnenuntergang in der Wüste. Wenn ganz zum Schluß ein grünes Licht erscheint - was allerdings nur manchmal geschieht - bedeutet das Glück und die Erfüllung eines großen Wunsches, erklärt Marie aus Frankfurt. Wir warten gespannt, lassen keinen Blick von der Sonne am Horizont. Dann ist sie verschwunden, ohne uns einen grünen Lichtgruß zu schicken.
Enttäuscht? Nein, wir haben unser Glück während dieser Tage in der libyschen Wüste längst gefunden, und unerfüllt geblieben sind höchstens so banale Wünsche wie die nach einer ausgiebigen Dusche oder einem kräftigen Schluck Weißbier.
Veranstalter der hier beschriebenen Reise ist der Outdoor-Spezialist Trekkingtours Rudolf Hoffmann (TRH-Natürlch Reisen), Grete-Nevermann-Weg 16, 22559 Hamburg, Tel. 040/81962-129, Fax 81962-130
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